Bewegungstherapie: Nebenwirkungen der Krebstherapie reduzieren

In der Pressekonferenz mit dem Titel „Sport und Krebs“ erläuterten die Referenten die bedeutende Rolle der Bewegungstherapie bei Krebspatienten. Ein gezieltes bewegungstherapeutisches Training hilft Nebenwirkungen zu reduzieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Krebs Chemotherapie

Die Sichtweise auf eine Bewegungstherapie bei Krebspatienten hat sich deutlich gewandelt. Früher galt die Meinung, dass Sport bei Krebspatienten schädlich ist. Man befürchtete eine Ausbreitung von Metastasen durch die Bewegung. Diese Sichtweise hat sich grundlegend gewandelt. Heute weiß man, dass eine gezielte Bewegungstherapie Nebenwirkungen der Therapie reduzieren kann. „Bewegung schadet nicht, sondern hilft.“, so Christiana Tschoepe von der Deutschen Krebshilfe.

Nutzen der Bewegungstherapie bei Fatigue belegt

Im Jahr 1981 wurde die erste Krebssportgruppe in Köln gegründet. Seitdem hat sich viel getan und heute existieren Daten, die den Nutzen von Sport in der Krebstherapie belegen. „Bewegung ist das geeignetste ‚Medikament‘ zur Reduzierung des Fatigue-Syndroms“, berichtete PD Dr. Freerk Baumann, Leiter der Arbeitsgruppe Onkologische Bewegungsmedizin am Centrums für integrierte Onkologie (CIO) Köln/Bonn.

Evidenz auch bei Polyneuropathie

Aber nicht nur bei der Behandlung des Fatigue-Syndroms gibt es neue Erkenntnisse. „Auch bei der Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie (CIPN) zeigen Studien, dass Bewegungstherapie hilft. Für die Polyneuropathie gibt es keine andere Behandlungsmethode, deren nachhaltige Wirkung bewiesen werden konnte“, so Baumann weiter.

„Sensomotorisches Training und womöglich auch Vibrationstraining erzielen die besten Effekte bei der Therapie von Nervenschäden, wie eingeschränktes Tastgefühl an den Händen sowie Kribbeln und Schmerzen an Händen und Füßen.“ Ausdauer- oder Krafttraining erzielen keine Effekte bei der CIPN.

Personalisierte Bewegungstherapie

Am Beispiel der CIPN wird deutlich, dass es einer personalisierten Bewegungstherapie bedarf. „Ein therapeutisches Training während der medizinischen Krebstherapie muss individuell auf die Patienten angepasst werden. Hierzu bedarf es speziell ausgebildeter Sport- und Physiotherapeuten, von denen es zurzeit noch nicht genügend gibt“, erklärte der Direktor des CIO Köln/Bonn, Professor Dr. Michael Hallek.

Mangelnde Regelfinanzierung erschwert Schaffung von Versorgungsstrukturen

Die Schaffung entsprechende Versorgungsstrukturen für alle Patienten ist schwierig, da die Sporttherapie, im Gegensatz zur Physiotherapie, nicht im Heilmittelkatalog aufgeführt ist. Eine Aufnahme in den Heilmittelkatalog würde es den Krebszentren deutlich erleichtern die nötigen bewegungstherapeutische Strukturen aufzubauen.

Die Initiative „Bewegung gegen Krebs“

Begleitet wurde das Presseevent von Antje Möldner-Schmidt, Europameisterin im 3.000-Meter-Hindernislauf und Botschafterin der Initiative „Bewegung gegen Krebs“. Möldner-Schmidt erhielt im Januar 2010 die Diagnose Morbus Hodgkin. Bereits zehn Monate nach der Diagnose nahm sie das Training wieder auf und wurde im Jahr 2014 Europameisterin.

Die Initiative „Bewegung gegen Krebs“ wurde 2014 von der Deutschen Krebshilfe, dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Deutschen Sporthochschule in Köln gestartet, um das Thema Bewegung in der Therapie und Krebsnachsorge stärker und nachhaltig zu verankern.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 23.02.2018

Quelle:

Hauptpressekonferenz II zum Deutschen Krebskongress 2018, "Sport und Krebs", 23.02.2018, 33. Deutscher Krebskongress

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