Gestationsdiabetes - mehr als ein Ernährungsproblem

Die Forscher vermuten andere Mechanismen, basierend auf individuellen Risikofaktoren. Einige Frauen könnten Diabetes entwickeln, weil sich ihre Bauchspeicheldrüse an den während der Schwangerschaft erhöhten Insulinbedarf nicht anpassen kann, andere, weil Muskeln und Leber resistenter gegen Insulin werden.

Schwangerschaft

Hintergrund

Gestationsdiabetes führt zu gesundheitlichen Problemen für Mutter und Kind, die weit über die Schwangerschaft hinausgehen können. Laut den amerikanischen Federal Centers for Disease Control entwickeln etwa 50% der Frauen mit Gestationsdiabetes später Typ-2-Diabetes. Babys, die einem Gestationsdiabetes ausgesetzt waren, entwickeln häufiger Typ-2-Diabetes und haben ein höheres Risiko, übergewichtig zu werden oder Fettleibigkeit zu entwickeln.

In den letzten fünf Jahren nahmen mehr als 5.000 schwangere Frauen an klinischen Studien zur Begrenzung der Gewichtszunahme teil, um Schwangerschaftsdiabetes zu verhindern. Die werdenden Mütter verbesserten ihre Ernährungsqualität, aßen weniger und erhöhten ihre körperliche Aktivität. Sie entwickelten jedoch einen Gestationsdiabetes mit ungefähr derselben Rate wie Frauen, die ihre Ernährung oder ihr Aktivitätsniveau nicht verändert hatten.

Zielsetzung

Die Forscher um Erstautor Dr. Jasper Most vom Pennington Biomedical Research Center in Lousiana, USA, untersuchten, ob bei Frauen mit Adipositas die Energiebilanz in der Schwangerschaft an der Ätiologie des Gestationsdiabetes beteiligt ist [1]. Dabei wendeten sie exakte wissenschaftliche Messmethoden an und verzichteten auf Selbstauskünfte der Probandinnen.

Methodik

Die Forscher untersuchten in der fünfjährigen Studie 62 schwangere Frauen mit Übergewicht. Die Energieaufnahme wurde mithilfe von doppelt markiertem Wasser und der Änderung der Körperenergiezusammensetzung bestimmt. Die Ermittlung der Kalorienzufuhr basierte auf einer Methode der Lebensmittelfotografie. Die körperliche Aktivität wurde mittels Kalorimetrie und der Beschleunigungsmessung gemessen.

Ergebnisse

Neun der 62 Studienteilnehmerinnen entwickelten innerhalb des Beobachtungszeitraums von 12 Wochen (innerhalb des zweiten Trimesters) Gestationsdiabetes. Die Forscher beobachteten weder Unterschiede in der Energieaufnahme oder im Energieverbrauch noch in der Kalorien- oder Makro-Nährstoffzusammensetzung der Mahlzeiten der Patientinnen im Vergleich zu den nicht betroffenen Frauen.

Auch die mit der Kalorimetrie und der Beschleunigungsmessung bestimmte körperliche Aktivität unterschied sich nicht zwischen den Schwangeren, die einen Gestationsdiabetes entwickelten, und denen, die keinen Gestationsdiabetes entwickelten. Ebenso beobachteten die Forscher keine Unterschiede in der Gewichtszunahme.

Folgende Charakteristika unterschieden jedoch die Schwangeren mit Gestationsdiabetes von den gesund gebliebenen Schwangeren:

  • Die Hauptrisikofaktoren für Gestationsdiabetes, wie übermäßige Fetteinlagerung und Insulinresistenz, traten früh in der Schwangerschaft auf.
  • Frauen, die einen Gestationsdiabetes entwickelten, waren tendenziell schwerer. Sie wogen 5 bis 17,5 kg mehr. Ihr Anteil an Körperfett war höher (3,5 bis 12,5 kg) und es fand sich deutlich mehr Fett um die Taille.
  • Die Frauen mit Gestationsdiabetes hatten auch mehr Verwandte mit Diabetes, signifikant höhere Nüchternblutzuckerwerte und in ihrer Gruppe lag die Prävalenz von Prädiabetes höher.

Fazit

Die Autoren schließen aus ihren Daten, dass in der Schwangerschaft die Energiebilanz - die zugeführten Kalorien im Verhältnis zu den verbrannten Kalorien - die Entwicklung des Schwangerschaftsdiabetes nicht bestimmen kann [2]. Eine Reduktion der Gewichtszunahme sei zur Prävention nicht ausreichend. Vielmehr müssten individualisierte Ansätze basierend auf persönlichen Risikofaktoren zum Einsatz kommen.

In ihrer nächsten Studie hoffen die Wissenschaftler, die verschiedenen Arten von Gestationsdiabetes besser zu klassifizieren und die Energiebilanz zusätzlich zur Insulinsekretion zu untersuchen.

Die Studienautoren betonen, die Ergebnisse der Studie bedeuten nicht, dass schwangere Frauen ihre Bemühungen um eine gesündere Ernährung und mehr körperliche Aktivität aufgeben sollten.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 23.01.2019

Quelle:
  1. Most et al. (2018): Is energy balance in pregnancy involved in the etiology of gestational diabetes in women with obesity? Cell Metabolism; DOI: 10.1016/j.cmet.2018.12.002
     
  2. Louisiana State University (07.01.2019): Balanced diet, exercise may not prevent gestational diabetes: New study suggests best treatments may be tied to individuals' risk factors. ScienceDaily. http://www.sciencedaily.com/releases/2019/01/190107102829.htm
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